Medien-Echo

Prof. Hurrelmann über "Die Gesetze des Schulerfolgs"

Zur Person: Dr. Klaus Hurrelmann (66) ist Professor für Sozialwissenschaften und lehrt an der Hertie School of Governance in Berlin. Als Jugendforscher ist er Koordinator der Shell Jugendstudie und der World Vision Kinderstudien. Seit 2007 leitet er das Institut für Gesundheits- und Bildungsforschung.

Das Elterntraining "Die Gesetze des Schulerfolgs" wurde mit seiner Unterstützung entwickelt.

Herr Hurrelmann, sind wir schon so weit, dass wir jetzt Eltern als Lerncoachs brauchen?

Ja, die brauchen wir. In Wirklichkeit sind Eltern bereits jetzt die Trainer ihrer Kinder. Nur erfahren sie bislang keine professionelle Unterstützung und sind angesichts steigender Ansprüche oft überfordert. Vor 30 Jahren hatten sie mehr Zeit für ihr Kind. Jetzt sind oft beide Elternteile berufstätig und die wenigere Zeit wird wichtiger. Da kommt es eben darauf an, dass man das Kind für die Schule gut einstellt.

Eltern und Kinder spüren immer größeren Erfolgsdruck. Schon Erstklässler sorgen sich um ihre Empfehlung fürs Gymnasium. Wie soll hier das Elterntraining wirken?

Es soll einen Teil des riesigen Drucks in den Familien nehmen. Viele sagen: "Ich werde alles dafür tun, dass mein Kind Abitur macht." Und dann wird das Kind ab fünf Jahren zu Leistungen gedrängt und geschubst. Die spielerische Komponente kommt zu kurz.

Alles ist nur noch ernst. "Wenn du das nicht lernst, wirst du nie Abitur machen." Dabei will das Kind einfach nur Freude am Lernen haben und das ist auch essentiell für den Erfolg. Hier müssen Eltern lernen, entspannter heranzugehen und eine dem Alter angemessene Haltung zum Lernen zu finden.

Aber die Förderhysterie mancher Eltern ist ja nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite gibt es viele Eltern, die den Schulproblemen gleichgültig oder überfordert gegenüberstehen.

Darum verfolgt das Elterntraining verschiedene Lernziele.

  • Da ist erstens die Gruppe der Eltern, die Gefahr laufen, überehrgeizig zu werden. Sie müssen Gelassenheit lernen.
  • Das zweite Drittel Eltern lässt es in der Schule einfach laufen in der Überzeugung "Mein Kind schafft das schon". Das sind meist Eltern, die selbst erfolgreich sind. Die sollen lernen, dass das Kind nicht ihre Kopie ist. Dass es ein richtiges Maß an Herausforderung braucht und auch lernen muss, Misserfolge wegzustecken.
  • Das dritte Drittel sind die überforderten Eltern. Sie müssen lernen, dass Schule kein feindlicher Raum ist, sondern dass man in Kooperation mit ihnen als Eltern etwas schaffen kann, dass die Schule so alleine nicht schafft.
Und am Ende heißt das Trainingsziel bessere Noten für alle?

Ja, ganz klar: Es geht darum, die Lernpotenziale des Kindes zu entfalten. Und das soll an den Noten im Zeugnis ablesbar sein. Darum lernen die Eltern auch Lern- und Motivationstechniken.

Aber die Hauptbotschaft der „Gesetze des Schulerfolgs“ von Adolf Timm ist pädagogisch: Lernen hat vor allem mit Beziehung zu tun. Wer sein Kind hier stärkt, tut jede Menge für den Schulerfolg.

Die Teilnahme an solchen Elterntrainings ist freiwillig und kostet Geld. Also sitzen dort doch nur die motivierten Eltern. Kinder aus sozial benachteiligten Familien profitieren nicht davon...

Das ist das Problem. Auf lange Sicht müssen wir alle Eltern für ein solches Training gewinnen. Ziel ist, dass Elterntrainings etwa mit dem Eintritt des Kindes in die Grundschule für alle Eltern verbindlich sind und dann auch gefördert werden.

Ich plädiere dafür, einen Teil der Zuwendungen des Staates von der Teilnahme an Fortbildungen dieser Art abhängig zu machen. In dem man etwa zweckgebundene Gutscheine ausgibt.


Kölner Stadtanzeiger, 10. März 2010

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