Medien-Echo
Eltern schulen ihre Kinder
Ein Lernvertrag soll zwischen Eltern, Kindern und Lehrern vermitteln
Eltern sollten ihre Kinder als "Lerncoach" begleiten -und so zum schulischen Erfolg führen. Das fordert Adolf Timm, ehemaliger Schuldirektor und Autor eines "Fortbildungs-Bücheres für Eltern". Gemeinsam mit dem Erziehungswissenschaftler Klaus Hurrelmann möchte Timm bundesweit Fortbildungen für Eltern etablieren. Die ersten Trainer bildet er bereits aus.
Herr Timm, sind Eltern für den Schulerfolg ihrer Kinder stärker verantwortlich als die Lehrer?
Eindeutig ja! Bildung beginnt mit der Geburt und Eltern sind die ersten Lehrer ihrer Kinder. Alle Kinder sind lernwillig. Aber ihr Bemühen um Entdecken und Wissen, um Können und Verstehen wird zuallererst von den Eltern geprägt. Ob Kinder ihre Potenziale ausschöpfen können, das entscheidet sich vor allem im Elternhaus. Kinder brauchen ein anregungsreiches Familien- und Erziehungsumfeld. In der Familie erlernen sie Kompetenzen und Einstellungen, die für das weitere Leben entscheidend sind.
Was sind die häufigsten Elternfehler?
Eltern entziehen ihren Kindern Lernenergien. Häufige Lernhemmer sind Überforderung oder Unterforderung. Auch Überbehütung, schlechte Ernährung oder falsche Frühförderung sind verbreitet. Sehr viele Eltern verbringen zu wenig Zeit mit ihren Kindern. Ebenso häufig ist die mangelnde Kontrolle. Der Fernseher im Kinderzimmer ist Körperverletzung. Eltern müssen wissen, womit sich ihre Kinder beschäftigen.
Sie schlagen einen Lernvertrag vor. Wie soll der aussehen?
Jeder muss ebenso etwas fordern wie geben. Wer Höflichkeit einfordert, muss höflich sein. In einem Erziehungs- und Lernvertrag zwischen Eltern, Lehrern und Kindern muss Gegenseitigkeit tragendes Prinzip sein. Nur bei gegenseitiger Selbstverpflichtung kann eine arbeitsteilige Lösung für Schul- und Lernprobleme erreicht werden. Ein solcher Vertrag kann über alle Themen geschlossen werden. Nehmen wir das Beispiel Hausaufgaben. Die Lehrer verpflichten sich, die Hausaufgaben so zu geben, dass Kinder nicht auf die Eltern oder andere Hilfe angewiesen sind. Die Eltern verpflichten sich, die Erledigung der Hausaufgaben zu kontrollieren, aber nicht das Ergebnis. Die Schüler verpflichten sich, die Hausaufgaben zuverlässig und pünktlich zu erledigen.
Was passiert mit Kindern, die keine Unterstützung im Elternhaus erfahren?
Wer von zu Hause keinerlei Förderung erfährt, bleibt auf der Strecke. Leider. Und die Folgen solcher Vernachlässigung kann man nicht der Schule ankreiden. Eltern dürfen Erziehung und Bildung nicht ,outsourcen', das heißt an andere abgeben. Es reicht nicht, Kinder am ersten Schultag zur Schule zu bringen und ihnen nachzurufen: Nun mach mal!
Was sollte hier geschehen?
Eltern müssen an ihren grundgesetzlichen Erziehungsauftrag erinnert werden. Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, dass Kinder ihre Lebenschancen nicht nutzen, weil die Eltern kein Interesse an ihnen haben. Das Funktionieren der Wirtschaft und der Zusammenhalt der Gesellschaft hängen davon ab, dass Kinder ihre Potenziale ausschöpfen.
von Ariana Mirza
Berliner Zeitung, 13. Mai 2009
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